Informationen über Kaschmir

Beste Reise-Zeit:  April bis Oktober, doch auch der Spätherbst, Winter und Frühling hat seinen besonderen Reiz.

Lage:   Hochtal im westlichen Himalaya in 1.600 m Höhe (ca. 130 km lang, 40 km breit), vor der Zeitrechnung mit einem See gefüllt, dessen Reste in zahlreichen Seen bestehen, umgeben von hohen Gebirgen bis über 7.000 m Höhe, (höchste Berge: Nun und Kun  7.135 m bzw. 7.087 m hoch) südlich begrenzt durch die Berge des Pir Panjal, nordwestlich durch den Karakorum und nordöstlich durch die Ladakh- und Zanskarketten, die zur großen Himalayakette gehören.

Klima:  vergleichbar dem mittel- bis südeuropäischen Klima, Jahreszeiten wie in Europa, kein Monsun. Milde, trockene Luft. Keine Krankheitsgefahren.

Politische Zugehörigkeit: seit der Unabhängigkeit Indiens 1947 Teil des indischen Unionsstaates Jammu und Kaschmir.

Bevölkerung:  Die Kaschmiris, aus Vorder- und Zentralasien stammend, unterscheiden sich in ihren Traditionen, Sitten und Gebräuchen von den übrigen Indern. Ca. 90% der Bevölkerung bekennen sich zum Islam, der im 14. Jh. Staatsreligion wurde. Sie sind zum größten Teil Sunniten und sehr tolerant im Zusammenleben mit den Hindus, Sikhs und Buddhisten Kaschmirs.

Hauptstadt: Srinagar (ca. 1,1 Mio. Einwohner), bedeutende Handelsstadt, große Universität, zahlreiche Fachhochschulen; gelegen inmitten der Windungen des Jhelum-Flusses. Von 15. April bis 31. Oktober Sitz der Landesregierung von Jammu und Kashmir.

Wirtschaft:  wichtigster Exportartikel sind handgeknüpfte Teppiche von erstklassiger Qualität aus Wolle und Seide), Seiden- und Wollfabrikation, hauchzarte, handgewebte, bestickte Pashmina-Schals aus der Halswolle der Tibetziege (bekannt als Kaschmirwolle), Herstellung von Kunstgewerbe guter Qualität (Stickereien, Lackmalereien auf Holz und Papermaché, Holzschnitzarbeiten); Pelz- und Lederbekleidung; bedeutender Tourismus.

Sprachen: Kaschmiri und Urdu; viele Kaschmiris sprechen Englisch.

Vegetation und Landwirtschaft: starke Ähnlichkeit mit der europäischen Vegetation; üppig grüne Täler, bewaldete Berghänge. Auf dem fruchtbaren Lößboden werden Reis, Weizen, Sesam und Senf (deren Öle wichtige Bestandteile der Ernährung sind), Gemüse, Obst, Hopfen, Walnüsse, Mandeln, Safran angebaut. Maulbeerbaumplantagen für die Seidengewinnung. Es gibt zahlreiche Imkereien.

Tierwelt:  viele in Europa selten gewordene Vogelarten, wie z.B. Adler, Eulen, Fledermäuse, Geier, zahlreiche Wasservogelarten, wie z.B. die bunt-schillernden King-Fisher-Vögel. Es überwintern hier viele Vögel aus Sibirien und den Polarregionen. Rotwild (u.a. der Hangul, eine nur in Kaschmir existierende große Hirschart), Affen, Füchse, Luchse, Biber, Wölfe;
In Höhen um 3000 m Braunbären, Schwarzbären, Steinböcke, Schneeleoparden, Murmeltiere, Moschustiere. Haltung von Schaf-, Ziegen- und Büffelherden in den Bergen.

Essen: Die meist scharf gewürzten Speisen der kaschmirischen Küche bestehen aus Lammfleisch, aromatisch gewürzten Saucen, Gemüse (das Nationalgemüse, das auch den ganzen Winter über geerntet werden kann, ist Haag, eine Mangoldart). Typisch kaschmirisch
Rista (Fleischbälle in Sauce), Gushtab (Fleischbälle in Saurer-Sahne-Sauce), Rogan Josh, Kebab, Tabak Maaz, Yakni. Sehr lecker sind die zahlreichen Gemüse-Chutneys (in Öl mit Gewürzen eingelegtes Gemüse) und Pürees z.B. aus Walnüssen, Joghurt, Chili und Knoblauch. Typisches Brot sind flache, ungesäuerte Weißbrotfladen und runde, herzhaft schmeckende Sesambrötchen.

Europäische, kaschmirische, indische und chinesische Gerichte gibt es in den vielen Restaurants Srinagars.  Den Hausbootgästen wird das Essen nach Wunsch zubereitet.

Anreise:
  von Delhi aus am bequemsten in einstündigem Flug (täglich mindestens drei Flüge)

Straßenverbindung nach Ladakh: Die 434 Kilometer von Srinagar nach Leh, der Hauptstadt Ladakhs, werden in einer 2-tägigen, landschaftlich einmalig schönen Autofahrt (mit einer obligatorischen Übernachtung in Kargil) über hohe Pässe auf einer Militärstraße zurückgelegt, die auf einem bedeutenden Zweig der berühmten Seidenstraße verläuft, der von Yarkand über Leh und Srinagar nach Indien führte. Die Straße ist von Anfang/Mitte Juni bis Mitte/Ende Oktober geöffnet. Sie ist jede Woche an einem bestimmten Tag für Reparaturarbeiten geschlossen. – Die Flugverbindung von Srinagar nach Leh in 35 Flugminuten ist wetterabhängig. Die Flüge sind Monate im voraus ausgebucht.

Visa für Indien erforderlich.

Impfungen für Kaschmir und Ladakh nicht erforderlich. Lebenswichtige Medikamente (wie z.B. Insulin) bei Flügen und während mehrtägiger Fahrten sowie auf Wanderungen bitte am Körper tragen.

Die Hausboote auf dem Dal- und Nagin-See in Srinagar/Kaschmir
Eine sehr originelle Art des Wohnens und der Entspannung bieten die Hausboote auf dem Dal- und Naginsee in Srinagar. Von den einen als Relikt aus englischer Kolonialzeit betrachtet, als die Familien hoher englischer Offiziere im Sommer aus dem feucht-heißen Monsunklima Indiens in die reine, trockene Höhenluft Kaschmirs zogen, von den anderen als typisch kaschmirisch zurück bis zur Arche Noah angesehen, sind sie die ideale Unterkunft für stressgeplagte Touristen.

Fest am Ufer oder an einem Stück Land im See verankert, geräumig und mit allem Komfort, schönem Mobiliar und holzgetäfelten Wänden ausgestattet, innen und außen mit Holzschnitzereien verziert, bieten sie den Urlaubern eine überaus behagliche Atmosphäre. Beitragend zur Erholung und Entspannung sind der freundliche und aufmerksame Service, das gute und den Wünschen der Gäste angepasste Essen, die beruhigenden, leisen Geräusche des Wassers, die Stimmen der Vögel, die Ausblicke auf das Wasser und die großartigen Landschaften des Sees.
Ein Hausboot hat 2 bis 3 Schlafräume mit je einem Bad und WC, einen Essraum, einen Aufenthaltsraum mit Veranda und ein großes Sonnendeck. Je nach Wunsch werden zwischen den Mahlzeiten Tee und Gebäck gereicht, Botengänge gemacht und jederzeit kann man ans Ufer übergesetzt und pünktlich wieder zu seinem Hausboot zurückgebracht werden.
Jedes Hausboot wird von einer Familie betreut, die auf einem kleineren Boot (Dunga) hinter dem Hausboot der Gäste wohnt. Der Vorteil hierbei ist, dass der Gast einerseits genug private Atmosphäre auf „seinem“ Hausboot hat und andererseits, dass sofort ein Familienmitglied zur Stelle ist, wenn der Gast einen Wunsch hat.

Geschichte Kaschmirs
Im 2. Jh.v.Chr.
gehörte Kaschmir zum Reich des Kaisers Ashoka, der den Buddhismus in Kaschmir verbreitete. Danach war es Teil des Gandhara-Reiches. Erst Mitte des 6. Jahrhunderts etabliert sich ein kaschmirisches Reich. Im 7. und 8. Jh. beginnt mit Lalitaditya, der große Teile Indiens und Tibets eroberte, eine Zeit des Wohlstands und Fortschritts, die im 9. Jh. von Avantivarman fortgesetzt wurde, unter dessen Herrschaft sich der Hinduismus, neben dem Buddhismus, verbreitete. Beiden Herrschern sind eine Reihe großartiger Tempelbauten zu verdanken.

Vom 11.-14. Jh. machte Kaschmir Perioden von Bürgerkriegen und Hungersnöten durch. Ein großer Teil der Bevölkerung trat im 14. und 15. zum Islam über, der von den Sufis, den Mystikern des Islams, friedlich verbreitet wurde und den Menschen mehr soziale Gerechtigkeit versprach (z.B. keine Kasten wie im Hinduismus). 1337 kommt der erste Moslemherrscher Kaschmirs, Shah Mir, an die Macht.

Die Verbreitung des Islams in Kaschmir brachte die religiös-kulturelle Ablösung West-Tibets und Ladakhs von Kaschmir mit sich, das bis dahin eine Hochburg des Buddhismus war mit einer berühmten Universität für die Mönche Tibets und Ladakhs. Von nun an wandten sich West-Tibet und Ladakh Lhasa (Tibet) als religiösem Zentrum zu.

Als berühmt-berüchtigt in die Geschichte eingegangen ist Sikander But-Shikan (1390-1414), ein fanatischer Moslem, der die Hindus Kaschmirs grausam verfolgte, ihre Tempel schleifen und ihre heiligen Bücher vernichten ließ. Zain-ul-Abidin (1421-1472), einer seiner Söhne, machte während seiner langen Herrschaft das an den Hindus begangene Unrecht wieder gut. Er ließ sie wieder im Lande siedeln, gab ihnen ihr Eigentum zurück und erlaubte ihnen die freie Ausübung ihres Glaubens. Zu seinen Beratern gehörten Hindus, Buddhisten und Moslems. Er förderte die Teppich-, Seiden- und Kunstgewerbeherstellung und die Herausbildung einer bodenständigen Sanskritliteratur. Seine Ingenieure konnten die riesigen Überschwemmungen verhindern. In bis dahin trockenen Hochlagen legten sie Bewässerungskanäle an. Noch heute gedenken die Kaschmiris der Verdienste dieses großen Königs, den sie „Badshah“, den Großen König, nennen.

Im 16. Jh. endete die Unabhängigkeit Kaschmirs für immer, als es der indische Moghulkaiser Akbar seinem Großreich einverleibte. Seine Nachfolger Jehangir und Shah Jahan verwandelten es in die glänzende Kulisse ihres Hofstaates. Mit dem Niedergang des Moghulreiches fiel Kaschmir 1739 unter die Gewaltherrschaft afghanischer Gouverneure, 1819 eroberte es Ranjit Singh, ein Sikh aus dem Punjab. 1846 eroberten es die Engländer mit der Hilfe des Maharaja Gulab Singh aus der Dogra-Dynastie, der Kaschmir von den Engländern für eine Million Pfund abkaufte. Seit der Unabhängigkeit Indiens 1947 und dem Abtreten des Reichs durch den Maharaja an Indien ist Kaschmir Teil des indischen Unionsstaates Jammu und Kaschmir. Um seine politische Zugehörigkeit und Vereinigung mit dem anderen, heute pakistanischen Teil Kaschmirs wurde wiederholt zwischen Indien und Pakistan gestritten (Kriege 1947, 1965 und 1971). Die Einhaltung der Waffenstillstandslinie von 1949 wird durch UN-Anwesenheit überwacht.

Seit 1990 versuchen bisher von Pakistan unterstützte militante Gruppen die Ablösung Kaschmirs von Indien mit Anschlägen auf die in Kaschmir stationierten indischen Truppen (750.000 Soldaten) zu erzwingen. Seit dem Beginn des Friedensprozesses zwischen Indien und Pakistan haben diese Gruppen kaum noch Unterstützung durch die kaschmirische Bevölkerung, so dass Anschläge auf die Armee immer seltener werden.

Die Kunst Kaschmirs
Seit der Antike war Kaschmir als Teil Zentralasiens kulturelle Brücke zwischen China, Tibet und Zentralasien auf der einen und Indien auf der anderen Seite. Doch seine von hohen Gebirgen geschützte Lage begünstigte immer wieder eigenständige kulturelle und künstlerische Entwicklungen.

Heute noch sichtbare Reste alter kaschmirischer Kunst sind bei Ausgrabungen in Harwan, einer buddhistischen Klosteranlage aus dem 3. Jh.n.Chr. gefunden worden. Es sind Bodenfliesen aus Terracotta in Halbreliefarbeit, auf denen Menschen, Pflanzen und Tiere abgebildet sind. In Ushkar bei Baramulla wurden Terracotta-Portraits aus der Gandhara-Zeit gefunden (im Museum von Srinagar zu besichtigen).

Aus einer Mischung verschiedenster kultureller und künstlerischer Einflüsse entstand im Mittelalter (7. – 13. Jh.) der typisch kaschmirische Kunststil, der in der Architektur von Klöstern und Tempeln folgende Merkmale aufweist:

Einfachheit und Einheit der Gesamtanlage; quadratischer Grundriss des innersten Heiligtums, das von einem quadratischen Bau mit hohem Pyramidendach umgeben war, rechteckiger Grundriss der ihn weitflächig umgebenen Säulenkolonaden bzw. bei einem Kloster der es umgebenden Zellen. Die Säulenkonstruktion besteht aus einer quadratischen Basis, dorisch-ähnlich kannelierten Säulen, die in einem abgerundeten, oft verzierten Kapitell enden. Die Säulen sind durch kleeblattförmige Bögen mit darüber gesetztem Giebel verbunden. Für den Bau wurden riesige Sandsteinblöcke verwendet, die erst nach ihrem Einfügen künstlerisch bearbeitet wurde. Für Verbindungen wurden Eisenklammern verwendet, die in Indien unbekannt waren. Für den Bau eines Heiligtums wurde immer ein besonders schöner und eindrucksvoller Platz gewählt, der nicht nur ästhetisch besonders reizvoll war, sondern der auch den Glauben an die Natur als mannigfache Manifestation des Göttlichen zum Ausdruck brachte.

Die plastischen Kunstwerke in den Tempeln entnehmen ihre Themen der hinduistischen Götterwelt und der Flora und Fauna Kaschmirs. Ursprünglichkeit, Naivität und Frische in der bildnerischen Gestaltung gelten dabei als typisch kaschmirisch.

Der auf den ersten Blick frappierend römisch-griechisch wirkende Stil, den insbesondere der Tempel von Martand, die Ruinen von Parihasapura, der Tempel von Bunjar und ein vollständig erhaltener, versteckt im Dorf Payer gelegener Tempel erkennen lässt, ist wahrscheinlich römisch-byzantinisch-syrischen Ursprungs und der Betrachter ist seltsam berührt bei dem Gedanken, wie die Kunst Europas in dieses im Himalaya gelegene Tal gelangen konnte und sich hier harmonisch mit asiatischer Kunst verband.

Während von der mittelalterlichen Malerei und Holzschnitzkunst Kaschmirs im Land selbst nichts mehr erhalten ist, blieben unvergleichlich schöne Werke dieser Zeit in Ladakh (ebenso in Spiti, im indischen Unionsstaat Himachal Pradesh und in Guge in China) bewahrt. Zu ihnen zählen insbesondere die erlesen schönen Holzschnitzarbeiten und Wandmalereien im Kloster Alchi in Ladakh, das von kaschmirischen Künstlern im 11. Jh. gebaut und ausgeschmückt wurde. Der kaschmirische Malstil fand hier seine höchste Vollendung. Seine Merkmale sind u.a.: fließende Bewegungen, natürlich geformte, schräg nach oben gerichtete Körper mit verlängerter unterer Körperpartie, betonte Hand- und Fingerhaltung, Einfassung der Figuren in einem Dreipassbogen oder einem Medaillon, Umrandung des Kopfes mit einem Heiligenschein, naturnahe Ornamentik aus der Flora und Fauna Kaschmirs. Die hölzernen, kannelierten Säulen der Tempel von Alchi sind von den Kapitellformen bis hin zu deren kleeblattförmigen Verbindungen mit darüber gesetztem Giebel getreue Nachbildungen der Säulenkonstruktionen der Tempel von Parihasapura, Avantipur und des Martand-Tempels in Kaschmir.

Seit der Verbreitung des Islams, der menschliche Darstellung verbietet und nur ornamentale Gestaltung erlaubt, fand die reiche künstlerische Phantasie und handwerkliche Geschicklichkeit der Kaschmiris Ausdruck beim Bau von Moscheen und Heiligengräbern, die im hölzernen Blockhausstil errichtet und innen und außen mit ornamentaler Malerei verziert sind. Die Dachform weist auf buddhistische Einflüsse hin und der typische kaschmirische Dachreiter erinnert durch seine Schirmform an buddhistische Stupabauten und daran, dass der Schirm im tibetischen Buddhismus eines der acht Glückssymbole ist (Schutz vor allem Übel). Ein gutes Beispiel für die frühe moslemische Kunst Kaschmirs ist die Shah-Hamadan-Moschee in Srinagar. Ebenso gibt die Dastgir-Moschee in Srinagar sowie die Moschee von Aischmuqam anschaulich die Kunst und Architektur des Landes wieder.

Heute ist es vor allem die Arbeit der zahlreichen Kunsthandwerker des Landes, die das Erbe kaschmirischer Kunst lebendig erhält. Die alten kaschmirischen Muster in Teppichen, Stickereien, Lackmalereien, holzgeschnitzten Möbeln und der Außen- und Innendekoration von Hausbooten haben den typischen weichen, modellierenden Stil, ihre naturnah und naiv gestalteten Themen und ihre hellen, pastellfarbenen Töne behalten.

Die hier aufgeführten Kunstwerke und weitere beispielhafte Werke kaschmirischer Kunst können, kombiniert mit landschaftlichen Höhepunkten,  bei unseren Rundreisen besichtigt werden.

Die Religionen Kaschmirs und Ladakhs

HINDUISMUS
Im Unterschied zu anderen Religionen hat der Hinduismus keinen Stifter, besitzt keine allgemein verbindliche Dogmatik und bekehrt keine Individuen. Die Hindus werden nicht durch ein gemeinsames Bekenntnis zum Glauben an einen bestimmten Gott geeint, sondern können Polytheisten, Monotheisten, Panentheisten oder Atheisten sein. Auch Kultur- und Lebensform (Vegetarier oder Fleischesser usw.) sind individuell verschieden. Maßgebend für die Zugehörigkeit zum Hinduismus ist allein die Zugehörigkeit zu einer von ihm anerkannten Kaste und die Anerkennung der Weda (Offenbarung). Da jedes Individuum von Geburt einer Kaste angehört und nicht aus einer in eine andere übergehen kann, können Einzelpersonen nicht in den Hinduismus eintreten.

Das religiös-soziale System des Hinduismus beruht auf der Anschauung, dass alle Lebewesen in dieser in ständigem Entstehen und Vergehen begriffenen Welt eine große Stufenleiter bilden, die bei den Pflanzen beginnt und bei den höchsten Göttern endet. Auch die Menschheit, gewissermaßen das Mittelstück dieser Stufenleiter, zerfällt in zahlreiche Klassen, als deren oberste die Hindukasten gelten. Die Zugehörigkeit zu einer Kaste ist nicht die Folge eines blinden Zufalls oder des unerforschlichen Willens Gottes, sondern sie ist durch die sittliche Weltordnung bedingt. Der ganze Kosmos wird beherrscht von der moralischen Vergeltungskausalität aller Taten (Karma), die jedem Wesen, das geboren wird, seinen Platz aufgrund seiner guten oder bösen Handlungen in einer vorausgegangenen Existenz anweist. Die Lehre von der Seelenwanderung ist somit die metaphysische Basis und Rechtfertigung des Kastenwesens. An der Spitze aller Kasten steht die der Brahmanen. Dieser erbliche Priesteradel ist der Hüter des Weda, der Offenbarung. Die Epen, Puranas, Tantras, Gesetzbücher ergänzen und erläutern den Weda.
In der Vorstellung der Hindus ist die Welt ewig, erfährt aber einen zyklischen Wechsel von Entfaltung und Vernichtung. Eine jede Weltperiode umfasst vier Zeitalter (Kalpa), die sich progressiv verschlechtern: Krita (Goldenes Zeitalter), Treta, Dvapara und Kali, in dem Religion und Rechtschaffenheit dem Verfall unterliegen und die Dauer des Menschenlebens schließlich nur noch zehn Jahre beträgt. Am Ende des letzten Kalpa wird die Welt durch einen großen Brand zerstört, und nach einer Periode der Ruhe beginnt der geschilderte Weltprozess von neuem.
Das Pantheon der hinduistischen Götterwelt ist ebenso umfangreich wie vielgestaltig. Das Volk verehrt die verschiedensten Dorfgottheiten, Geister, Dämonen und Heiligen. In der Mythologie der heiligen Schriften treten die Götter der wedischen Zeit als Schirmherren von Naturelementen und Vorgängen auf: Indra (Regen), Surja (Sonne), Soma (Mond), Waju (Wind), Waruna (Wasser), Jama (Tod), Kama (Liebe). Den obersten Rang nehmen der Weltschöpfer Brahma, der Welterhalter Wischnu und der Weltzerstörer und –erneuerer Schiwa mit ihren Frauen ein.

ISLAM
Der Islam (übersetzt: Eintritt in den Stand des Heils) wurde zwischen 610 und 632 n.Chr. in Mekka und Medina (Arabien) als jüngste Weltreligion von Mohammed gestiftet. Ca 600 Mio. Menschen gehören ihm an.
Der Islam ist streng monotheistisch. Nach seiner Lehre bestimmt Gott in seiner universalen und uneingeschränkten Allmacht das Schicksal der Menschen ohne deren Zutun; doch werden sie für ihre Handlungen beim „Jüngsten Gericht“ belohnt oder bestraft. Alle Gläubigen  sind ohne Rücksicht auf Herkunft und Hautfarbe vor diesem Gott gleich. Der Islam hat deshalb eine stark gemeinschaftsbildende Kraft. Es gibt kein Priestertum, keine Mittler, keine Institution.
Als Glaubensquelle kennt der sunnitische, aber auch der schiitische Islam den Koran, der in 114 Suren (Kapitel) unterteilt ist und der das gesamte Leben des Einzelnen wie auch der Gemeinschaft regelt, Gedanken zur Staatsführung gibt und vom Diesseits und vom Jenseits spricht. Die Worte des heiligen Buches werden als Gottesworte betrachtet, gelten als absolut unfehlbar und haben einen ungeheuren Einfluss auf das Leben aller gläubigen Muslime.

Die fünf Grundpfeiler des Islams sind: das Bekenntnis zur Einheit Gottes und der Prophetenschaft Mohammeds (der Mensch ist); das fünfmalige tägliche Gebet an beliebigem Ort; nur für das Gebet am Freitagmittag ist der Besuch der Moschee vorgeschrieben; das Geben von Almosen, einmal an Bettler, Arme und Kranke und zum anderen das gesetzliche Almosen, meist der zehnte Teil vom Einkommen, der für Fürsorgeeinrichtungen vorgesehen ist. Vierter Pfeiler ist das Fasten im Monat Ramadan, in dem Mohammed die erste Offenbarung zuteil wurde. Mit wenigen Ausnahmen, wie Kranken, Schwangeren, Kindern und Alten sollen die gläubigen Moslems im Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang sich des Essens, Trinkens, Rauchens und Geschlechtsverkehrs enthalten. Der fünfte Pfeiler ist die Wallfahrt nach Mekka (Hadsch genannt), die jeder Moslem im Leben mindestens einmal unternehmen soll. Danach darf sich der Mekkapilger Hadschi nennen.

Der Sittenkodex des Korans nahm auf die bei seiner Entstehung vorhandenen lokalen Verhältnisse Rücksicht. So müssen Polygamie, Verstoßung der Frau, Sklaverei, Beschneidung der Jungen, Verzicht auf Schweinefleisch und Alkohol, Verbot von Glücksspielen und das Verbot jeder bildnerischen Darstellung unter besonderen Aspekten gesehen werden. In der Türkei, in Persien und Indien wurde das Verbot von Bilddarstellungen oft missachtet. Der Islam missbilligt Ehelosigkeit, ursprünglich auch die Askese; doch konnten sich mit dem Sufismus (islamische Mystik), der um 1100 durch Al-Ghassali entstand, asketische Strömungen durchsetzen (z.B. im Sufi-Orden der Derwische).

Ca. 92% der Moslems sind Sunniten und ca. 8% sind Schiiten. Für die Sunniten sind allein die Worte des Korans verbindlich, während die Schiiten von der Nachfolge des Propheten im Kalifen Ali und seinen Nachkommen als Träger göttlicher Inspiration überzeugt sind und deren Entscheidungen für sie neben dem Koran Glaubensgrundlage sind.

VOLKSGLAUBEN in Kaschmir
Die reiche Phantasie der Kaschmiris, ihre Nähe zur Natur und das Gewahrsein ihrer Kräfte lässt sie auch heute noch an übersinnliche Phänomene glauben: an Feen in Bergseen, die die Leute in die Tiefe ziehen, Sirenen in den Bergen, deren süße Lieder den einsamen Wanderer in die Irre locken und ihn schließlich in den Abgrund stürzen, an Geister in Bäumen, Flüssen, Häusern und sogar Hausbooten, die man durch Respekt günstig stimmen muss. Der „holy man“ in einem Bretterverschlag neben der Moschee hausend wird bei Krankheit, Geldnot und Liebeskummer konsultiert. Er wird bei Geisteskrankheit oder einer Ameisenplage ins Haus gerufen, wo sein Zauber sofortige Abhilfe schafft.

BUDDHISMUS unter besonderer Berücksichtigung des in Ladakh praktizierten
tibetischen Buddhismus

Buddha (Siddharta Gautama) verkündete um 563 v.Chr. im Wildpark von Sarnath bei Varanasi (Benares) die vier edlen Wahrheiten:

1. Das Leben ist ohne bleibenden Wesenskern, daher vergänglich, leidvoll und        erlösungsbedürftig.
2. Die Ursache des Leidens sind die drei Grundübel: Gier (Lebensdurst), Hass und Verblendung, welche die Lebewesen an den Kreislauf von Geburt und Tod fesseln.
3. Die Aufhebung der drei Grundübel bewirkt die Beendigung des Leidens.
4. Der Weg der Leidbefreiung ist der edle 8-fache Pfad der Selbstzucht.

Die entscheidende Erweiterung des älteren Buddhismus (Hinayana) zum Mahayana vollzog sich durch die Wandlung des auf Selbsterlösung bedachten Hinayana-Praktizierenden zum Bodhisattva, der, auch wenn er selbst bereits die Befreiung erlangt hat, in grenzenlosem Mitleid für die Befreiung anderer Lebewesen aus den Fesseln des leidvollen Kreislaufs von Geburt und Tod wirkt. Nagarjuna (2.Jh.n.Chr.) verkündete diesen sogenannten mittleren Weg, Mahayana (auch großes Fahrzeug genannt). Er verkündete die Lehre vom Leeren: da die Erscheinungswelt vergänglich und veränderlich ist, besitzt die Leere als das „Anders-Seiende“ einzig absolute Wesenhaftigkeit.

Der 3. Erlösungsweg des Buddhismus, das Tantrayana, ist eine Parallelentwicklung zum Mahayana und wurde vom Tantrismus geprägt. Tantrismus ist keine selbständige Religion, sondern eine ab dem 2. Jh.n.Chr. in Bengalen, Assam und Orissa entstandene esoterische Ganzheitsschau und Rituallehre der Verwobenheit, gegenseitigen Abhängigkeit und essentiellen Gleichheit alles Geschaffenen, Gewordenen und Bestehenden in der kontinuierlichen Wechselbeziehung von Ursache und Wirkung. Voraussetzung für die Erlangung der Erlösung aus dem Begrenzten und Relativen ist die Erkenntnis der über allen Gegensätzen stehenden Ureinheit der Polaritäten.

Im Tantrismus wird der Mensch als Abbild des Kosmos und sein Körper und Geist werden als Instrumente für Bewusstseinserweiterung und Erweckung latent schlummernder, übersinnlicher Kräfte verstanden. Die drei Ebenen dieses Erlösungsweges sind:
     - Körper durch Yoga
     - Sprache durch Mantras (energiegeladene kosmische Keimsilben)
     - Geist durch Versenkung

Der Tantrismus floss in den Buddhismus ein und führte dort zu der Bezeichnung Tantrayana (Fahrzeug der Tantratexte). Die für den tibetischen Buddhismus Ladakhs verbindliche Sonderform des Tantrayana ist das Vajrayana, der Diamantweg. Vajra heißt Donnerkeil. Er symbolisiert die Vertreibung der Wolken oder der Dunkelheit der Unwissenheit. Vajra heißt auch der Zepter aus Diamant, das Symbol für geistige Macht und spirituelle Kraft, und ist Symbol für das Absolute, die Buddhanatur oder die Große Leere, die gleich einem Diamant unveränderlich, unerschütterlich und transparent ist wie der unendliche Raum.