Informationen über Kaschmir
Beste Reise-Zeit:
April bis Oktober, doch auch der Spätherbst, Winter und Frühling hat
seinen besonderen Reiz.
Lage: Hochtal im
westlichen Himalaya in 1.600 m Höhe (ca. 130 km lang, 40 km breit), vor der
Zeitrechnung mit einem See gefüllt, dessen Reste in zahlreichen Seen bestehen,
umgeben von hohen Gebirgen bis über 7.000 m Höhe, (höchste Berge: Nun und Kun
7.135 m bzw. 7.087 m hoch) südlich begrenzt durch die Berge des Pir
Panjal, nordwestlich durch den Karakorum und nordöstlich durch die Ladakh- und
Zanskarketten, die zur großen Himalayakette gehören.
Klima: vergleichbar dem
mittel- bis südeuropäischen Klima, Jahreszeiten wie in Europa, kein Monsun.
Milde, trockene Luft. Keine Krankheitsgefahren.
Politische Zugehörigkeit: seit der Unabhängigkeit Indiens 1947 Teil des
indischen Unionsstaates Jammu und Kaschmir.
Bevölkerung: Die Kaschmiris,
aus Vorder- und Zentralasien stammend, unterscheiden sich in ihren Traditionen,
Sitten und Gebräuchen von den übrigen Indern. Ca. 90% der Bevölkerung
bekennen sich zum Islam, der im 14. Jh. Staatsreligion wurde. Sie sind zum größten
Teil Sunniten und sehr tolerant im Zusammenleben mit den Hindus, Sikhs und
Buddhisten Kaschmirs.
Hauptstadt: Srinagar (ca. 1,1 Mio. Einwohner), bedeutende Handelsstadt,
große Universität, zahlreiche Fachhochschulen; gelegen inmitten der Windungen
des Jhelum-Flusses. Von 15. April bis 31. Oktober Sitz der Landesregierung von
Jammu und Kashmir.
Wirtschaft: wichtigster
Exportartikel sind handgeknüpfte Teppiche von erstklassiger Qualität aus Wolle
und Seide), Seiden- und Wollfabrikation, hauchzarte, handgewebte, bestickte
Pashmina-Schals aus der Halswolle der Tibetziege (bekannt als Kaschmirwolle),
Herstellung von Kunstgewerbe guter Qualität (Stickereien, Lackmalereien auf
Holz und Papermaché, Holzschnitzarbeiten); Pelz- und Lederbekleidung;
bedeutender Tourismus.
Sprachen: Kaschmiri und Urdu; viele Kaschmiris sprechen Englisch.
Vegetation und Landwirtschaft: starke Ähnlichkeit mit der europäischen
Vegetation; üppig grüne Täler, bewaldete Berghänge. Auf dem fruchtbaren Lößboden
werden Reis, Weizen, Sesam und Senf (deren Öle wichtige Bestandteile der Ernährung
sind), Gemüse, Obst, Hopfen, Walnüsse, Mandeln, Safran angebaut.
Maulbeerbaumplantagen für die Seidengewinnung. Es gibt zahlreiche Imkereien.
Tierwelt: viele in Europa
selten gewordene Vogelarten, wie z.B. Adler, Eulen, Fledermäuse, Geier,
zahlreiche Wasservogelarten, wie z.B. die bunt-schillernden King-Fisher-Vögel.
Es überwintern hier viele Vögel aus Sibirien und den Polarregionen. Rotwild
(u.a. der Hangul, eine nur in Kaschmir existierende große Hirschart), Affen, Füchse,
Luchse, Biber, Wölfe;
In Höhen um 3000 m Braunbären, Schwarzbären, Steinböcke, Schneeleoparden,
Murmeltiere, Moschustiere. Haltung von Schaf-, Ziegen- und Büffelherden in den
Bergen.
Essen: Die meist scharf gewürzten Speisen der kaschmirischen Küche
bestehen aus Lammfleisch, aromatisch gewürzten Saucen, Gemüse (das Nationalgemüse,
das auch den ganzen Winter über geerntet werden kann, ist Haag, eine
Mangoldart). Typisch kaschmirisch
Rista (Fleischbälle in Sauce), Gushtab (Fleischbälle in Saurer-Sahne-Sauce),
Rogan Josh, Kebab, Tabak Maaz, Yakni. Sehr lecker sind die zahlreichen Gemüse-Chutneys
(in Öl mit Gewürzen eingelegtes Gemüse) und Pürees z.B. aus Walnüssen,
Joghurt, Chili und Knoblauch. Typisches Brot sind flache, ungesäuerte Weißbrotfladen
und runde, herzhaft schmeckende Sesambrötchen.
Europäische, kaschmirische, indische und chinesische Gerichte gibt es in den
vielen Restaurants Srinagars. Den
Hausbootgästen wird das Essen nach Wunsch zubereitet.
Anreise: von Delhi aus am
bequemsten in einstündigem Flug (täglich mindestens drei Flüge)
Straßenverbindung nach Ladakh: Die 434 Kilometer von Srinagar nach Leh,
der Hauptstadt Ladakhs, werden in einer 2-tägigen, landschaftlich einmalig schönen
Autofahrt (mit einer obligatorischen Übernachtung in Kargil) über hohe Pässe
auf einer Militärstraße zurückgelegt, die auf einem bedeutenden Zweig der berühmten
Seidenstraße verläuft, der von Yarkand über Leh und Srinagar nach Indien führte.
Die Straße ist von Anfang/Mitte Juni bis Mitte/Ende Oktober geöffnet. Sie ist
jede Woche an einem bestimmten Tag für Reparaturarbeiten geschlossen. – Die
Flugverbindung von Srinagar nach Leh in 35 Flugminuten ist wetterabhängig. Die
Flüge sind Monate im voraus ausgebucht.
Visa für Indien erforderlich.
Impfungen für Kaschmir und Ladakh nicht erforderlich.
Lebenswichtige Medikamente (wie z.B. Insulin) bei Flügen und während mehrtägiger
Fahrten sowie auf Wanderungen bitte am Körper tragen.
Die Hausboote auf dem Dal- und Nagin-See in Srinagar/Kaschmir
Eine sehr originelle Art des Wohnens und der Entspannung bieten die Hausboote
auf dem Dal- und Naginsee in Srinagar. Von den einen als Relikt aus englischer
Kolonialzeit betrachtet, als die Familien hoher englischer Offiziere im Sommer
aus dem feucht-heißen Monsunklima Indiens in die reine, trockene Höhenluft
Kaschmirs zogen, von den anderen als typisch kaschmirisch zurück bis zur Arche
Noah angesehen, sind sie die ideale Unterkunft für stressgeplagte Touristen.
Fest am Ufer oder an einem Stück Land im See verankert, geräumig und mit allem
Komfort, schönem Mobiliar und holzgetäfelten Wänden ausgestattet, innen und
außen mit Holzschnitzereien verziert, bieten sie den Urlaubern eine überaus
behagliche Atmosphäre. Beitragend zur Erholung und Entspannung sind der
freundliche und aufmerksame Service, das gute und den Wünschen der Gäste
angepasste Essen, die beruhigenden, leisen Geräusche des Wassers, die Stimmen
der Vögel, die Ausblicke auf das Wasser und die großartigen Landschaften des
Sees.
Ein Hausboot hat 2 bis 3 Schlafräume mit je einem Bad und WC, einen Essraum,
einen Aufenthaltsraum mit Veranda und ein großes Sonnendeck. Je nach Wunsch
werden zwischen
den Mahlzeiten Tee und Gebäck gereicht, Botengänge gemacht und jederzeit kann
man ans Ufer übergesetzt und pünktlich wieder zu seinem Hausboot zurückgebracht
werden.
Jedes Hausboot wird von einer Familie betreut, die auf einem kleineren Boot (Dunga)
hinter dem Hausboot der Gäste wohnt. Der Vorteil hierbei ist, dass der Gast
einerseits genug private Atmosphäre auf „seinem“ Hausboot hat und
andererseits, dass sofort ein Familienmitglied zur Stelle ist, wenn der Gast
einen Wunsch hat.
Geschichte Kaschmirs
Im 2. Jh.v.Chr.
gehörte Kaschmir zum Reich des Kaisers Ashoka, der den Buddhismus in
Kaschmir verbreitete. Danach war es Teil des Gandhara-Reiches. Erst Mitte des 6.
Jahrhunderts etabliert sich ein kaschmirisches Reich. Im 7. und 8. Jh. beginnt
mit Lalitaditya, der große Teile Indiens und Tibets eroberte, eine Zeit
des Wohlstands und Fortschritts, die im 9. Jh. von Avantivarman
fortgesetzt wurde, unter dessen Herrschaft sich der Hinduismus, neben dem
Buddhismus, verbreitete. Beiden Herrschern sind eine Reihe großartiger
Tempelbauten zu verdanken.
Vom 11.-14. Jh. machte Kaschmir Perioden von Bürgerkriegen und Hungersnöten
durch. Ein großer Teil der Bevölkerung trat im 14. und 15. zum Islam über,
der von den Sufis, den Mystikern des Islams, friedlich verbreitet wurde und den
Menschen mehr soziale Gerechtigkeit versprach (z.B. keine Kasten wie im
Hinduismus). 1337 kommt der erste Moslemherrscher Kaschmirs, Shah Mir, an die
Macht.
Die Verbreitung des Islams in Kaschmir brachte die religiös-kulturelle Ablösung
West-Tibets und Ladakhs von Kaschmir mit sich, das bis dahin eine Hochburg des
Buddhismus war mit einer berühmten Universität für die Mönche Tibets und
Ladakhs. Von nun an wandten sich West-Tibet und Ladakh Lhasa (Tibet) als religiösem
Zentrum zu.
Als berühmt-berüchtigt in die Geschichte eingegangen ist Sikander
But-Shikan (1390-1414), ein fanatischer Moslem, der die Hindus Kaschmirs
grausam verfolgte, ihre Tempel schleifen und ihre heiligen Bücher vernichten
ließ. Zain-ul-Abidin (1421-1472), einer seiner Söhne, machte während
seiner langen Herrschaft das an den Hindus begangene Unrecht wieder gut. Er ließ
sie wieder im Lande siedeln, gab ihnen ihr Eigentum zurück und erlaubte ihnen
die freie Ausübung ihres Glaubens. Zu seinen Beratern gehörten Hindus,
Buddhisten und Moslems. Er förderte die Teppich-, Seiden- und
Kunstgewerbeherstellung und die Herausbildung einer bodenständigen
Sanskritliteratur. Seine Ingenieure konnten die riesigen Überschwemmungen
verhindern. In bis dahin trockenen Hochlagen legten sie Bewässerungskanäle an.
Noch heute gedenken die Kaschmiris der Verdienste dieses großen Königs, den
sie „Badshah“, den Großen König, nennen.
Im 16. Jh. endete die Unabhängigkeit Kaschmirs für immer, als es der indische
Moghulkaiser Akbar seinem Großreich einverleibte. Seine Nachfolger
Jehangir und Shah Jahan verwandelten es in die glänzende Kulisse ihres
Hofstaates. Mit dem Niedergang des Moghulreiches fiel Kaschmir 1739 unter die
Gewaltherrschaft afghanischer Gouverneure, 1819 eroberte es Ranjit
Singh, ein Sikh aus dem Punjab. 1846 eroberten es die Engländer mit der
Hilfe des Maharaja Gulab Singh aus der Dogra-Dynastie, der Kaschmir von den Engländern
für eine Million Pfund abkaufte. Seit der Unabhängigkeit Indiens 1947
und dem
Abtreten des Reichs durch den Maharaja an Indien ist Kaschmir Teil des indischen
Unionsstaates Jammu und Kaschmir. Um seine politische Zugehörigkeit und
Vereinigung mit dem anderen, heute pakistanischen Teil Kaschmirs wurde
wiederholt zwischen Indien und Pakistan gestritten (Kriege 1947, 1965 und 1971).
Die Einhaltung der Waffenstillstandslinie von 1949 wird durch UN-Anwesenheit überwacht.
Seit 1990 versuchen bisher von Pakistan unterstützte militante Gruppen
die Ablösung Kaschmirs von Indien mit Anschlägen auf die in Kaschmir
stationierten indischen Truppen (750.000 Soldaten) zu erzwingen. Seit dem Beginn
des Friedensprozesses zwischen Indien und Pakistan haben diese Gruppen kaum noch
Unterstützung durch die kaschmirische Bevölkerung, so dass Anschläge auf die
Armee immer seltener werden.
Die Kunst Kaschmirs
Seit der Antike war Kaschmir als Teil Zentralasiens kulturelle Brücke zwischen
China, Tibet und Zentralasien auf der einen und Indien auf der anderen Seite.
Doch seine von hohen Gebirgen geschützte Lage begünstigte immer wieder eigenständige
kulturelle und künstlerische Entwicklungen.
Heute noch sichtbare Reste alter kaschmirischer Kunst sind bei Ausgrabungen in Harwan,
einer buddhistischen Klosteranlage aus dem 3. Jh.n.Chr. gefunden worden. Es sind
Bodenfliesen aus Terracotta in Halbreliefarbeit, auf denen Menschen, Pflanzen
und Tiere abgebildet sind. In Ushkar bei Baramulla wurden Terracotta-Portraits
aus der Gandhara-Zeit gefunden (im Museum von Srinagar zu besichtigen).
Aus einer Mischung verschiedenster kultureller und künstlerischer Einflüsse
entstand im Mittelalter (7. – 13. Jh.) der typisch kaschmirische Kunststil,
der in der Architektur von Klöstern und Tempeln folgende Merkmale aufweist:
Einfachheit und Einheit der Gesamtanlage; quadratischer Grundriss des
innersten Heiligtums, das von einem quadratischen Bau mit hohem Pyramidendach
umgeben war, rechteckiger Grundriss der ihn weitflächig umgebenen Säulenkolonaden
bzw. bei einem Kloster der es umgebenden Zellen. Die Säulenkonstruktion besteht
aus einer quadratischen Basis, dorisch-ähnlich kannelierten Säulen, die in
einem abgerundeten, oft verzierten Kapitell enden. Die Säulen sind durch kleeblattförmige
Bögen mit darüber gesetztem Giebel verbunden. Für den Bau wurden riesige
Sandsteinblöcke verwendet, die erst nach ihrem Einfügen künstlerisch
bearbeitet wurde. Für Verbindungen wurden Eisenklammern verwendet, die in
Indien unbekannt waren. Für den Bau eines Heiligtums wurde immer ein besonders schöner
und eindrucksvoller Platz gewählt, der nicht nur ästhetisch besonders
reizvoll war, sondern der auch den Glauben an die Natur als mannigfache
Manifestation des Göttlichen zum Ausdruck brachte.
Die plastischen Kunstwerke in den Tempeln entnehmen ihre Themen der
hinduistischen Götterwelt und der Flora und Fauna Kaschmirs. Ursprünglichkeit,
Naivität und Frische in der bildnerischen Gestaltung gelten dabei als typisch
kaschmirisch.
Der auf den ersten Blick frappierend römisch-griechisch wirkende Stil, den
insbesondere der Tempel von Martand, die Ruinen von Parihasapura,
der Tempel von Bunjar und ein vollständig erhaltener, versteckt im Dorf
Payer gelegener Tempel erkennen lässt, ist wahrscheinlich römisch-byzantinisch-syrischen
Ursprungs und der Betrachter ist seltsam berührt bei dem Gedanken, wie die
Kunst Europas in dieses im Himalaya gelegene Tal gelangen konnte und sich hier
harmonisch mit asiatischer Kunst verband.
Während von der mittelalterlichen Malerei und Holzschnitzkunst Kaschmirs
im Land selbst nichts mehr erhalten ist, blieben unvergleichlich schöne Werke
dieser Zeit in Ladakh (ebenso in Spiti, im indischen Unionsstaat Himachal
Pradesh und in Guge in China) bewahrt. Zu ihnen zählen insbesondere die erlesen
schönen Holzschnitzarbeiten und Wandmalereien im Kloster Alchi in
Ladakh, das von kaschmirischen Künstlern im 11. Jh. gebaut und ausgeschmückt
wurde. Der kaschmirische Malstil fand hier seine höchste Vollendung. Seine
Merkmale sind u.a.: fließende Bewegungen, natürlich geformte, schräg nach
oben gerichtete Körper mit verlängerter unterer Körperpartie, betonte Hand-
und Fingerhaltung, Einfassung der Figuren in einem Dreipassbogen oder einem
Medaillon, Umrandung des Kopfes mit einem Heiligenschein, naturnahe Ornamentik
aus der Flora und Fauna Kaschmirs. Die hölzernen, kannelierten Säulen der
Tempel von Alchi sind von den Kapitellformen bis hin zu deren kleeblattförmigen
Verbindungen mit darüber gesetztem Giebel getreue Nachbildungen der Säulenkonstruktionen
der Tempel von Parihasapura, Avantipur und des Martand-Tempels in Kaschmir.
Seit der Verbreitung des Islams, der menschliche Darstellung verbietet
und nur ornamentale Gestaltung erlaubt, fand die reiche künstlerische
Phantasie und handwerkliche Geschicklichkeit der Kaschmiris Ausdruck beim
Bau von Moscheen und Heiligengräbern, die im hölzernen Blockhausstil
errichtet und innen und außen mit ornamentaler Malerei verziert sind. Die
Dachform weist auf buddhistische Einflüsse hin und der typische kaschmirische
Dachreiter erinnert durch seine Schirmform an buddhistische Stupabauten und
daran, dass der Schirm im tibetischen Buddhismus eines der acht Glückssymbole
ist (Schutz vor allem Übel). Ein gutes Beispiel für die frühe moslemische
Kunst Kaschmirs ist die Shah-Hamadan-Moschee in Srinagar. Ebenso gibt die
Dastgir-Moschee in Srinagar sowie die Moschee von Aischmuqam anschaulich die
Kunst und Architektur des Landes wieder.
Heute ist es vor allem die Arbeit der zahlreichen Kunsthandwerker des
Landes, die das Erbe kaschmirischer Kunst lebendig erhält. Die alten
kaschmirischen Muster in Teppichen, Stickereien, Lackmalereien, holzgeschnitzten
Möbeln und der Außen- und Innendekoration von Hausbooten haben den typischen
weichen, modellierenden Stil, ihre naturnah und naiv gestalteten Themen und ihre
hellen, pastellfarbenen Töne behalten.
Die hier aufgeführten Kunstwerke und weitere beispielhafte Werke kaschmirischer
Kunst können, kombiniert mit landschaftlichen Höhepunkten,
bei unseren Rundreisen besichtigt werden.
Die Religionen Kaschmirs und Ladakhs
HINDUISMUS
Im Unterschied zu anderen Religionen hat der Hinduismus keinen Stifter,
besitzt keine allgemein verbindliche Dogmatik und bekehrt keine Individuen. Die
Hindus werden nicht durch ein gemeinsames Bekenntnis zum Glauben an einen
bestimmten Gott geeint, sondern können Polytheisten, Monotheisten,
Panentheisten oder Atheisten sein. Auch Kultur- und Lebensform (Vegetarier oder
Fleischesser usw.) sind individuell verschieden. Maßgebend für die Zugehörigkeit
zum Hinduismus ist allein die Zugehörigkeit zu einer von ihm anerkannten
Kaste und die Anerkennung der Weda (Offenbarung). Da jedes Individuum von
Geburt einer Kaste angehört und nicht aus einer in eine andere übergehen kann,
können Einzelpersonen nicht in den Hinduismus eintreten.
Das religiös-soziale System des Hinduismus beruht auf der Anschauung, dass alle
Lebewesen in dieser in ständigem Entstehen und Vergehen begriffenen Welt eine
große Stufenleiter bilden, die bei den Pflanzen beginnt und bei den höchsten Göttern
endet. Auch die Menschheit, gewissermaßen das Mittelstück dieser Stufenleiter,
zerfällt in zahlreiche Klassen, als deren oberste die Hindukasten gelten. Die
Zugehörigkeit zu einer Kaste ist nicht die Folge eines blinden Zufalls oder des
unerforschlichen Willens Gottes, sondern sie ist durch die sittliche Weltordnung
bedingt. Der ganze Kosmos wird beherrscht von der moralischen Vergeltungskausalität
aller Taten (Karma), die jedem Wesen, das geboren wird, seinen Platz
aufgrund seiner guten oder bösen Handlungen in einer vorausgegangenen Existenz
anweist. Die Lehre von der Seelenwanderung ist somit die metaphysische
Basis und Rechtfertigung des Kastenwesens. An der Spitze aller Kasten steht die
der Brahmanen. Dieser erbliche Priesteradel ist der Hüter des Weda, der
Offenbarung. Die Epen, Puranas, Tantras, Gesetzbücher ergänzen und erläutern
den Weda.
In der Vorstellung der Hindus ist die Welt ewig, erfährt aber
einen zyklischen Wechsel von Entfaltung und Vernichtung. Eine jede
Weltperiode umfasst vier Zeitalter (Kalpa), die sich progressiv verschlechtern:
Krita (Goldenes Zeitalter), Treta, Dvapara und Kali, in dem Religion und
Rechtschaffenheit dem Verfall unterliegen und die Dauer des Menschenlebens
schließlich nur noch zehn Jahre beträgt. Am Ende des letzten Kalpa wird die
Welt durch einen großen Brand zerstört, und nach einer Periode der Ruhe
beginnt der geschilderte Weltprozess von neuem.
Das Pantheon der hinduistischen Götterwelt ist ebenso umfangreich wie
vielgestaltig. Das Volk verehrt die verschiedensten Dorfgottheiten, Geister, Dämonen
und Heiligen. In der Mythologie der heiligen Schriften treten die Götter der
wedischen Zeit als Schirmherren von Naturelementen und Vorgängen auf: Indra
(Regen), Surja (Sonne), Soma (Mond), Waju (Wind), Waruna (Wasser), Jama (Tod),
Kama (Liebe). Den obersten Rang nehmen der Weltschöpfer Brahma, der
Welterhalter Wischnu und der Weltzerstörer und –erneuerer Schiwa mit ihren
Frauen ein.
ISLAM
Der Islam (übersetzt: Eintritt in den Stand des Heils) wurde zwischen 610 und
632 n.Chr. in Mekka und Medina (Arabien) als jüngste Weltreligion von Mohammed
gestiftet. Ca 600 Mio. Menschen gehören ihm an.
Der Islam ist streng monotheistisch. Nach seiner Lehre bestimmt Gott in
seiner universalen und uneingeschränkten Allmacht das Schicksal der Menschen ohne
deren Zutun; doch werden sie für ihre Handlungen beim „Jüngsten
Gericht“ belohnt oder bestraft. Alle Gläubigen
sind ohne Rücksicht auf Herkunft und Hautfarbe vor diesem Gott gleich.
Der Islam hat deshalb eine stark gemeinschaftsbildende Kraft. Es gibt kein
Priestertum, keine Mittler, keine Institution.
Als Glaubensquelle kennt der sunnitische, aber auch der schiitische Islam den Koran,
der in 114 Suren (Kapitel) unterteilt ist und der das gesamte Leben des
Einzelnen wie auch der Gemeinschaft regelt, Gedanken zur Staatsführung gibt und
vom Diesseits und vom Jenseits spricht. Die Worte des heiligen Buches werden als
Gottesworte betrachtet, gelten als absolut unfehlbar und haben einen ungeheuren
Einfluss auf das Leben aller gläubigen Muslime.
Die fünf Grundpfeiler des Islams sind: das Bekenntnis zur Einheit
Gottes und der Prophetenschaft Mohammeds (der Mensch ist); das fünfmalige
tägliche Gebet an beliebigem Ort; nur für das Gebet am Freitagmittag ist
der Besuch der Moschee vorgeschrieben; das Geben von Almosen, einmal an
Bettler, Arme und Kranke und zum anderen das gesetzliche Almosen, meist der
zehnte Teil vom Einkommen, der für Fürsorgeeinrichtungen vorgesehen ist.
Vierter Pfeiler ist das Fasten im Monat Ramadan, in dem Mohammed die
erste Offenbarung zuteil wurde. Mit wenigen Ausnahmen, wie Kranken, Schwangeren,
Kindern und Alten sollen die gläubigen Moslems im Ramadan von Sonnenaufgang bis
Sonnenuntergang sich des Essens, Trinkens, Rauchens und Geschlechtsverkehrs
enthalten. Der fünfte Pfeiler ist die Wallfahrt nach Mekka (Hadsch
genannt), die jeder Moslem im Leben mindestens einmal unternehmen soll. Danach
darf sich der Mekkapilger Hadschi nennen.
Der Sittenkodex des Korans nahm auf die bei seiner Entstehung vorhandenen
lokalen Verhältnisse Rücksicht. So müssen Polygamie, Verstoßung
der Frau, Sklaverei, Beschneidung der Jungen, Verzicht auf Schweinefleisch und
Alkohol, Verbot von Glücksspielen und das Verbot jeder bildnerischen
Darstellung unter besonderen Aspekten gesehen werden. In der Türkei, in Persien
und Indien wurde das Verbot von Bilddarstellungen oft missachtet. Der Islam
missbilligt Ehelosigkeit, ursprünglich auch die Askese; doch konnten sich mit
dem Sufismus (islamische Mystik), der um 1100 durch Al-Ghassali entstand,
asketische Strömungen durchsetzen (z.B. im Sufi-Orden der Derwische).
Ca. 92% der Moslems sind Sunniten und ca. 8% sind Schiiten. Für
die Sunniten sind allein die Worte des Korans verbindlich, während die Schiiten
von der Nachfolge des Propheten im Kalifen Ali und seinen Nachkommen als
Träger göttlicher Inspiration überzeugt sind und deren Entscheidungen für
sie neben dem Koran Glaubensgrundlage sind.
VOLKSGLAUBEN in Kaschmir
Die reiche Phantasie der Kaschmiris, ihre Nähe zur Natur und das Gewahrsein
ihrer Kräfte lässt sie auch heute noch an übersinnliche Phänomene glauben:
an Feen in Bergseen, die die Leute in die Tiefe ziehen, Sirenen in den Bergen,
deren süße Lieder den einsamen Wanderer in die Irre locken und ihn schließlich
in den Abgrund stürzen, an Geister in Bäumen, Flüssen, Häusern und sogar
Hausbooten, die man durch Respekt günstig stimmen muss. Der „holy man“ in
einem Bretterverschlag neben der Moschee hausend wird bei Krankheit, Geldnot und
Liebeskummer konsultiert. Er wird bei Geisteskrankheit oder einer Ameisenplage
ins Haus gerufen, wo sein Zauber sofortige Abhilfe schafft.
BUDDHISMUS unter besonderer Berücksichtigung
des in Ladakh praktizierten tibetischen
Buddhismus
Buddha (Siddharta Gautama) verkündete um 563 v.Chr. im Wildpark
von Sarnath bei Varanasi (Benares) die vier edlen Wahrheiten:
1. Das Leben ist ohne bleibenden Wesenskern, daher vergänglich, leidvoll und
erlösungsbedürftig.
2. Die Ursache des Leidens sind die drei Grundübel: Gier (Lebensdurst), Hass
und Verblendung, welche die Lebewesen an den Kreislauf von Geburt und Tod
fesseln.
3. Die Aufhebung der drei Grundübel bewirkt die Beendigung des Leidens.
4. Der Weg der Leidbefreiung ist der edle 8-fache Pfad der Selbstzucht.
Die entscheidende Erweiterung des älteren Buddhismus (Hinayana)
zum Mahayana vollzog sich durch die Wandlung des auf Selbsterlösung
bedachten Hinayana-Praktizierenden zum Bodhisattva, der, auch wenn er
selbst bereits die Befreiung erlangt hat, in grenzenlosem Mitleid für die
Befreiung anderer Lebewesen aus den Fesseln des leidvollen Kreislaufs von Geburt
und Tod wirkt. Nagarjuna (2.Jh.n.Chr.) verkündete diesen sogenannten mittleren
Weg, Mahayana (auch großes Fahrzeug genannt). Er verkündete die Lehre vom
Leeren: da die Erscheinungswelt vergänglich und veränderlich ist, besitzt die
Leere als das „Anders-Seiende“ einzig absolute Wesenhaftigkeit.
Der 3. Erlösungsweg des Buddhismus, das Tantrayana, ist eine Parallelentwicklung
zum Mahayana und wurde vom Tantrismus geprägt. Tantrismus ist keine selbständige
Religion, sondern eine ab dem 2. Jh.n.Chr. in Bengalen, Assam und Orissa
entstandene esoterische Ganzheitsschau und Rituallehre der Verwobenheit,
gegenseitigen Abhängigkeit und essentiellen Gleichheit alles Geschaffenen,
Gewordenen und Bestehenden in der kontinuierlichen Wechselbeziehung von Ursache
und Wirkung. Voraussetzung für die Erlangung der Erlösung aus dem Begrenzten
und Relativen ist die Erkenntnis der über allen Gegensätzen stehenden
Ureinheit der Polaritäten.
Im Tantrismus wird der Mensch als Abbild des Kosmos und sein Körper
und Geist werden als Instrumente für Bewusstseinserweiterung und
Erweckung latent schlummernder, übersinnlicher Kräfte verstanden. Die drei
Ebenen dieses Erlösungsweges sind:
-
Körper durch Yoga
- Sprache durch
Mantras (energiegeladene kosmische Keimsilben)
- Geist durch
Versenkung
Der Tantrismus floss in den Buddhismus ein und führte dort zu der Bezeichnung
Tantrayana (Fahrzeug der Tantratexte). Die für den tibetischen Buddhismus
Ladakhs verbindliche Sonderform des Tantrayana ist das Vajrayana, der
Diamantweg. Vajra heißt Donnerkeil. Er symbolisiert die Vertreibung der Wolken
oder der Dunkelheit der Unwissenheit. Vajra heißt auch der Zepter aus Diamant,
das Symbol für geistige Macht und spirituelle Kraft, und ist Symbol für das
Absolute, die Buddhanatur oder die Große Leere, die gleich einem Diamant unveränderlich,
unerschütterlich und transparent ist wie der unendliche Raum.