Informationen zu Ladakh

Fakten
Beste Reisezeit
: Anfang Juni bis Ende September

Lage und Klima
: sehr dünn besiedelte, wüstenähnliche Gebirgslandschaft zwischen dem Himalaya und dem Karakorum (höchster Berg 7672 m hoch), beiderseits des Indusflusses gelegen; Talböden zwischen 3000 und 4000 m hoch. Große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, Sommer und Winter. Extrem trockene Luft. Kaum Niederschläge.

Vegetation:
nur in den Flusstälern und auf deren Hängen

Landwirtschaft
: an den Hängen der Flussoasen Anbau von Gerste, Hirse, Hülsenfrüchten, Gemüse, Obst (insb. Aprikosen). Es werden Yaks und Dzos gehalten sowie Tibetziegen zur Gewinnung der Kaschmirwolle.

Hauptstadt
:  Leh, ca. 20.000 Einwohner, 3.500 m hoch

Bevölkerung: ca. 135.000 Einwohner, meist tibetisch/mongolischer Abstammung, andere ethnische Gruppen sind die Mon, Darden und Baltis; es gibt außerdem einige Nomadenstämme. 70% Buddhisten, 30% Moslems.

Sprachen: Ladakhi (dem Tibetischen sehr ähnlich), Urdu, Hindi. Viele Ladakhis in Leh verstehen Englisch.

Politische Zugehörigkeit: seit der Unabhängigkeit Indiens 1947 Teil des indischen Bundesstaates Jammu und Kaschmir.

Anreise: Früh am Morgen gibt es täglich zwei Flüge von Delhi (50 Flugminuten). Die Flüge sind wetterabhängig, ebenso wie der wöchentlich einmal stattfindende Flug aus Srinagar. Straßenverbindung von Kaschmir in einer 2-tägigen, atemberaubend schönen Autofahrt (mit einer obligatorischen Übernachtung in Kargil) nach Leh (434 km von Srinagar entfernt) über 4000 Meter hohe Pässe. Die Straße ist geöffnet von Anfang Juni bis Mitte Oktober. An einem Tag in der Woche ist sie geschlossen.
Die Anfahrt auf der Straße von Manali (Himachal Pradesh) nach Leh kann nur von Juli bis September erfolgen und sogar in dieser Zeit kann es zu Monsun bedingten Erdrutschen kommen, die die Straße versperren und zur Umkehr zwingen. Eine obligatorische Übernachtung in einem Zeltlager.

Visum: für Indien erforderlich  Visum 

Impfungen: nicht erforderlich

Geschichte Ladakhs
In vortibetischer Zeit (vor der Zeitenwende) herrschten die Darden und Mon als Jäger und Hirten über das Land. Sie hinterließen Zeichnungen und Ritzungen mit Jagd- und Steinbockmotiven (noch heute zu sehen um Kargil, Dras und Kaltsi) und aus späterer Zeit einige Burgen wie Chigtan, Kaltsi, Alchi, Padam und Tsadan. Die dardischen Fürsten kontrollierten viele Jahrhunderte die Zufahrtswege nach Yarkand und Kaschmir und erhoben Zölle. Vom 16. Jahrhundert an waren sie weitgehend islamisiert.

Die Mon wurden die ersten Träger des Buddhismus im Land, möglicherweise schon unter dem Kaiser Ashoka im 3. oder 2. vorchristlichen Jahrhundert.

Die geschriebene Geschichte Ladakhs beginnt mit der Bildung des ersten west-tibetischen Königreiches Zan-Zun unter König Nimagon. Das Reich wurde nach seinem Tod unter seine drei Söhne aufgeteilt. König Utpala erweiterte es im 11.  Jh. Als die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Kaschmirs im 14. Jahrhundert zum Zusammenbruch des dortigen hinduistischen Herrschaftssystems und zu einer Neuordnung unter Moslem-Herrschaft führten, rissen die Verbindungen zwischen Ladakh und Kaschmir ab. Ladakh, dessen religiöser Mittelpunkt lange Zeit Kaschmir war, wandte sich Lhasa (Tibet) als kulturellem und religiösen Zentrum zu.

Anfang des 17. Jahrhunderts überfielen die Truppen des moslemischen Herrschers Baltistans, Ali Mir, das Land, plünderten die Klöster und unterdrückten den Buddhismus. Dem großen ladakhischen König Sengge Namgyal (1616 – 1642) gelang noch einmal die Einigung des Landes und die Unterwerfung feindlich gesinnter Nachbarstaaten. Es wurden neue, von Tibet unabhängige Klöster gegründet und Kunst und Kultur erreichten einen neuen Höhepunkt.

Die Nachfolger Sengge Namgyals erweiterten das Reich weiter, bis es 1683 von den mongolischen Herrschern Tibets, die von den Gelbmützen (der reformierten tibetisch-buddhistischen Sekte) zum Buddhismus bekehrt worden waren, erobert wurde. Kaschmir verhinderte die völlige Unterwerfung Ladakhs, verband jedoch mit seiner Hilfe regelmäßige Tributzahlungen und die Abgabe des Wollmonopols (insb. für die kostbare Paschmina-Wolle, auch Kaschmirwolle genannt) an Kaschmir. Die folgenden Herrscher des stark verkleinerten Ladakhs förderten die kulturellen und religiösen Beziehungen zu Tibet, jedoch gelang es ihnen nicht mehr, die ladakhischen Fürsten gegen den immer stärker werdenden Druck der moslemischen Herrscher der Nachbarstaaten zu einen. 1834 wurde Ladakh von Zorowar Singh aus der indischen Dogra-Dynastie erobert, das Königshaus entmachtet, die Adelsversammlung aufgelöst und Ladakh wurde Jammu-Kaschmir einverleibt, zu dem es bis heute gehört.

Seit 1960 beansprucht China die an der Grenze zu Tibet gelegenen Teile Ladakhs für sich.

Kultur und Religion Ladakhs
Ladakh und Westtibet bildeten lange Zeit eine historische und kulturelle Einheit. Aus der dort in vorgeschichtlicher Zeit herrschenden Natur- und Schamanenreligion, deren Spuren noch heute in Ladakh zu finden sind, entwickelte sich die Bön-Religion. Um das 2. vorchristliche Jahrhundert wurden die Mon im Oberen Ladakh und Zanskar die ersten Buddhisten Ladakhs. Die Verbreitung des Buddhismus über ganz Ladakh begann im 8. Jahrhundert mit dem Auftreten von Padmasambhava, dem großen Magier und Tantriker, der gegen die bodenständige Bön- und Urreligion kämpfte. Einige Elemente dieser Religionen wurden verwandelt in den tibetischen Buddhismus aufgenommen.

Vom 10. – 11. Jahrhundert erlebte Ladakh eine große buddhistische Renaissancebewegung, die von König Jeshe-od, dem berühmten Übersetzer Lotsawa Rinchen Zangpo und dem indischen Gelehrten Atisha ausging. Es werden 108 Klöster (oft auf alten Heiligtümern der Bön-Religion) errichtet, unter ihnen die Klöster Alchi, Lamayuru, Spituk und Likir und zahlreiche buddhistische Lehrwerke vom Sanskrit ins Tibetische übersetzt. Die Klostergemeinschaften werden großzügig gefördert, die Mönche zum Studium auf die Universität von Kaschmir geschickt, das damals eine Hochburg des Buddhismus war.

Mit der Islamisierung Kaschmirs im 14. Jahrhundert verlagerte sich das religiöse Schwergewicht Ladakhs nach Zentraltibet. Ladakh und Westtibet verloren damit ihre einst bedeutende Stellung als Kulturzentren und –mittler zwischen Indien und Tibet und sanken in den Rang von Provinzen ab.

Ein neuer Kulturanstoß kam von der im 15. Jh. von Tsongkapa ins Leben gerufenen buddhistischen Reformsekte der Gelbmützen (auch Gelugpa = die Tugendhaften genannt).

Alte Rotmützenkloster wie Likir und Spituk in Ladakh und einige in Zanskar (z.B. Karsha) wurden von den Gelbmützen übernommen. (Die Gelbmützenorden unterscheiden sich von den Rotmützenorden durch besonders strenge Glaubens- und Lebensformen wie z.B. das Zölibat und das Verbot des Alkohol- und Fleischgenusses, das den Gelbmützenorden auferlegt ist.)

Um ein Gegengewicht zum stark von Tibet unterstützten Orden der Gelbmützen zu schaffen, wurden im 16. Jh. einige  weitere große Klöster des halbreformierten Rotmützenordens der Drukpa-Kargyüpa-Schule gegründet, wie z.B. die Klöster Hemis, Stakna und Chemre. Seit dieser Zeit wurden kaum noch neue Klöster gebaut.

Auch heute noch spielt die Religion im Leben der Bevölkerung Ladakhs eine bedeutende Rolle und in den Bräuchen haben sich zahlreiche Merkmale der animistischen und der Bönreligion erhalten.

Die Kunst Ladakhs
Die Kunst Ladakhs, wie sie heute in den Klöstern des Landes bewundert werden kann, entstand ab dem 11. Jh. unter dem Einfluss kaschmirischer und indischer Kunst, als im Zuge der großen buddhistischen Renaissancebewegung 108 Klöster gegründet wurden. Auch das Kloster Alchi zählte dazu (siehe auch unter „Die Kunst Kaschmirs“). Es wurde von kaschmirischen Handwerkern und Künstlern erbaut und ausgemalt und seine Wandmalereien und Holzschnitzarbeiten gehören zu den schönsten Werken kaschmirischer Kunst.

Die kulturelle und religiöse Ablösung Ladakhs von Kaschmir im 14. Jahrhundert spiegelt sich deutlich in der Kunst Ladakhs wider: kaschmirische Kunst wurde nur noch seelenlos kopiert und die Ikonografie tibetischer Kunst wurde noch nicht beherrscht, so dass die Bilder jener Zeit schlechte Proportionen der Körper, starre Haltung und eine zu flache Gestaltung zeigen.

Im 16. Jh. hatte sich die Kunst Tibets vollständig in Ladakh durchgesetzt. Es herrschen nun kaum abgestufte Farben, meist Rot, Blau, Gelb, Grün, vor, die Gesichter sind oft mit Goldstaub gemalt, die Körper sind stark stilisiert (auch chinesische Einflüsse sind sichtbar, wie z.B. in den Wolkenformen).

Die tibetische Malerei ist streng an festgelegte Darstellungsformen von Buddha, seinen Schülern, den großen Lehrern und den zahlreichen Göttern des tibetischen Buddhismus gebunden und ein individueller Ausdruck des Künstlers ist dabei unerwünscht. Im Prinzip kann jeder Laie ein Bild mit dem Kopieren der Vorlage und unter Einhaltung aller Vorschriften für die Farbgebung malen, so dass die Anfertigung eines Bildes einen rituellen Charakter erhält, die zu Versenkung, Einswerdung mit dem gemalten Objekt und einem besseren Karma führen soll. So ist die Kunst Ladakhs vor allem Ausdruck der tiefen Religiosität seiner Bewohner und hat starken Symbolcharakter.

Lange Mani-Mauern vor den Klöstern sind wahrscheinlich ein Relikt der Megalithkultur. Sie bestehen aus Ton- und Steintafeln, in die Mantras (heilige, Kraft geladene Silben) eingeritzt sind, wie z.B. das berühmte „OM MANI PADME HUNG“. Die Gläubigen legen die Tafeln auf die Mauer und umrunden sie betend.

Stupas, in Ladakh Tschörten genannt, sind dreidimensionale Formen, die als Sinnbild von Körper, Rede und Geist Buddhas verehrt werden. Sie können auch als die Darstellung der 5 Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther wie auch als verschiedene Aspekte des buddhistischen Weges angesehen werden. Ihre Größe variiert von Altarfiguren bis hin zu riesigen Monumentalbauten, die meilenweit sichtbar sind. Wahrscheinlich sind sie die älteste Kunstform des Buddhismus; sie werden auch als Schatzkammern für die Reliquien und heilige Schriften benutzt. Ihre grundlegenden Merkmale sind: ein quadratischer Grundriss, ein kuppelartiger Aufbau, dreizehn runde Stufen, die sich nach oben verjüngen, eine Lotosform; eine Sonne, die von einer Mondsichel gehalten wird.

Farbige Gebetsfahnen mit Mantras beschriftet schmücken Klöster und Wohnhäuser. Gebetsmühlen gibt es in allen Größen. Sie sind aus Metall angefertigt, in das Mantras eingraviert sind und meistens auch mit Papierstreifen gefüllt, auf denen Mantras geschrieben sind und es wird geglaubt, dass diese beim Drehen ihre Kraft entfalten.

In den Klöstern gibt es farbenprächtige Wandmalereien, Malereien auf Stoff (Thankas genannt, die der Verfeinerung und Weiterentwicklung von Visualisationen, einer tantrischen Meditationstechnik des Vajrayana, Diamantweg, dienen), Statuen aus kostbaren Materialien, geschmückt mit Edelsteinen. Es gibt gemalte Mandalas (Bilder zur Meditationshilfe), manche sind aus kostbaren Steinen zusammengesetzt. In fast jedem Kloster findet man ein gemaltes Lebensrad, welches Aspekte der buddhistischen Lehre bildlich darstellt. Bei den zahlreichen Abbildungen von zornvollen oder friedlichen Gottheiten handelt es sich nicht um äußere Wesenheiten, sondern um die Verkörperung der Aspekte des durch die Praktizierung des Buddhismus verwandelten Egos.

Dank der trockenen Luft Ladakhs konnten sich viele sehr alte Malereien und Holzarbeiten wie z.B, in Alchi erstaunlich gut erhalten. Im Interesse der Erhaltung dieser Kostbarkeiten bitten wir Sie, auf Blitzlicht zu verzichten.

Zur Sonderform des Buddhismus in Ladakh siehe „Informationen über Kaschmir“.